Sport und Ernährung
"Die Hoffenheimer sind echte Vorreiter"
© SPIEGEL ONLINE 2009 16.12.09
Direkt nach dem Training kommen die entscheidenden Momente. Wer dann das Richtige zu sich nimmt, ist beim nächsten Mal fitter, sagt Sportmediziner Wolfgang Feil im Interview mit Achim-Achilles.de. Von Kuchen und Bananen sollte man allerdings die Finger lassen.
Achim-Achilles.de: Herr Feil, Sie beraten Spitzensportler wie Jan Frodeno, Falk Cierpinski oder die Fußballer von 1899 Hoffenheim. Verraten Sie uns: Was sind deren Ernährungssünden?
Wolfgang Feil: Im deutschen Spitzensport sind die Kenntnisse über regenerative Ernährungssteuerung sehr gering. Die Sportler wissen oft gar nicht, wie sie den Trainingsreiz durch richtige Ernährung unterstützen können. Vor allem im Fußball und Handball, wo mehr auf Taktik Wert gelegt wird und die Strukturen insgesamt konservativer sind, wird kaum auf die Ernährung geachtet. Die Hoffenheimer, die methodisch viel aus dem Hockeysport übernommen haben, sind da echte Vorreiter.
Achim-Achilles.de: Wie ist es bei den Ausdauersportlern?
Feil: Triathleten und Marathonläufer achten stärker auf ihre Ernährung, weil sie sich unmittelbarer auf ihre sportliche Leistungsfähigkeit auswirkt. Trotzdem kam erst kürzlich ein junger Athlet zu mir, der einen Burnout hatte.
Achim-Achilles.de: Was war mit ihm passiert?
Feil: Obwohl der Sportler noch zu den Junioren zählte, war sein Leistungspotenzial sehr hoch, so dass er große Chancen für eine Nominierung bei der WM in Berlin hatte. Berlin vor Augen und ohne Kenntnisse, welche Ernährung sein intensives Training unterstützen kann, trainierte er sich platt.
Achim-Achilles.de: Konnten Sie helfen?
Feil: Es dauerte sechs bis acht Wochen bis er aus seinem Leistungsloch wieder herausgekommen war - hierfür mussten wir alle Ernährungs-Joker ausspielen und das Training radikal reduzieren. Der Zug für internationale Einsätze war in dieser Saison damit abgefahren.
Achim-Achilles.de: Welchen Anteil hat die Ernährung am sportlichen Erfolg?
Feil: Ich würde sagen, sie macht 30 bis 40 Prozent aus. Wenn ein Athlet ausschließlich trainiert und nicht auf seine Ernährung achtet, macht das der Körper zwar ein, zwei Jahre mit. Spätestens im dritten Jahr kommt dann aber der körperliche Einbruch. Der Körper kann den Trainingsreiz nicht mehr umsetzen, und der Sportler stagniert nicht nur in seinen Leistungen, sondern verschlechtert sich sogar.
Achim-Achilles.de: Was sollte ein Sportler aus Ihrer Sicht tun?
Feil: Mit der richtigen Ernährung wird die Regeneration beschleunigt und dadurch ist weniger Training nötig. Der Körper setzt Trainingsreize besser um, und die Muskeln sind nach einem harten Training weniger müde. Die größte Verbesserung und optimale Regeneration wird erzielt, wenn man sich im sogenannten "offenen Fenster" sofort nach dem Training kohlenhydrat- und eiweißreiche Getränke zuführt.
Achim-Achilles.de: Was geschieht dann im Körper?
Feil: Direkt nach dem Training saugen entleerte Muskelfasern Kohlenhydrate auf - wie ein Schwamm. Dieses "Carboloading" im "offenen Fenster" geht nur, wenn unmittelbar nach dem Training Kohlenhydrate getrunken werden. Wer nach dem Sport Bananen oder Kuchen isst, der hat verloren: Diese Kohlenhydrate bleiben zu lange im Magen und Darm und kommen dadurch in der Muskulatur zu spät an. Die erste schnelle Kohlenhydratwiederauffüllung wird nicht erreicht.
Achim-Achilles.de: Wie geht es richtig?
Feil: Im "offenen Fenster" werden neben den Kohlenhydraten auch Eiweiße benötigt für die Reparatur überlasteter Muskelfasern. Ebenso werden hormonelle Regenerationsmechanismen frühzeitig angeworfen, wenn Eiweiß gegeben wird. Im offenen Fenster versorgen wir Sportler deshalb immer mit Mischungen aus Fruchtsäften und Regenerationsgetränken, die einen hohen Eiweißgehalt aufweisen.
Achim-Achilles.de: Wie wichtig ist die richtige Ernährung vor dem Wettkampf?
Feil: Wer über Wochen hinweg richtig trainiert und mit der richtigen Ernährung regeneriert hat, erntet am Wettkampftag die Früchte. Zwei, drei Stunden vor dem Rennen selbst sollte der Magen stabilisiert werden, zum Beispiel mit Ingwerwurzel. Die wirkt außerdem antioxidativ, das heißt, sie hält die Muskelfasern länger leistungsfähig.
Achim-Achilles.de: Sie schreiben, dass Aminosäuren einen Leistungsschub bringen. Wie funktioniert das?
Feil: Bei allen intensiven und auch lang andauernden Belastungen entsteht Ammoniak, der mental und muskulär ermüdend wirkt. Durch die Einnahme von Aminosäuren, zum Beispiel Arginin, wird das Ammoniak abgepuffert. Wer drei Mal pro Woche trainiert und dabei auch ein hartes Tempotraining integriert, der spürt, dass die Ermüdung dank Aminosäuren später einsetzt.
Achim-Achilles.de: Für Laien hört sich das alles recht kompliziert an. Lohnt sich Ihre Strategie überhaupt für Hobbysportler?
Feil: Das kommt auf den Läufer an. Besonders bei Männern ist die Konkurrenzorientierung groß, man guckt, wie schnell der Nachbar oder Kollege ist. Ich bin davon überzeugt, dass sich ein Läufer, der den Marathon in 3:30 Stunden läuft, durch intelligente Eiweiß- und Aminosäurenaufnahme gut rund zehn Minuten verbessert. Und jemand, der den Marathon in fünf Stunden läuft, verbessert sich vielleicht sogar um 30 Minuten.
Achim-Achilles.de: Wirkt sich die Ernährung auch auf den Kopf aus?
Feil: Die mentale Komponente ist nicht unerheblich. Durch eine richtige Ernährungssteuerung in Training und Wettkampf steigt die Motivation weiterzumachen, weil der Körper weniger müde wird. Die Freude am Sport ist größer, wenn der Körper das bekommt, was er braucht.
Die Fragen stellte Wendelin Hübner
achim-achilles.de
ZUR PERSON
Wolfgang Feil, ist promovierter Biologe und Ernährungsberater zahlreicher Spitzensportler. Zu seinen Kunden gehören die Bundesligaspieler der TSG 1899 Hoffenheim, die Triathleten Jan Frodeno und Michael Göhner sowie Langstreckler Falk Cierpinski. Hobbysportlern ist er bekannt als Autor des Bestsellers "Die Lauf-Diät" (Südwestverlag 2009).
Verletzte Fußball-Spieler kosten Bundesliga-Vereine viel Geld
Saarbrücken 17. Juli 2009 – Jeder Bundesliga-Verein muss im Schnitt pro Saison auf drei Spieler aufgrund von Verletzungen komplett verzichten. Das ist das Ergebnisse einer Studie der Universität des Saarlandes, für die Wissenschaftler in der Bundesliga-Saison 2004/2005 Artikel der Fußball-Zeitschrift „kicker“ ausgewertet haben.
Bild: dpa
„Die Studie ist besonders interes- sant, weil direkt gewonnene Daten zur Verletzungshäufigkeit, die von den medizini- schen Abteilungen
stammen, bislang für den deutschen Profi- fußball nicht verfügbar sind“, erklärt Studien- autor Tim Meyer.
Der Studie zufolge mussten in der Bundesliga-Saison 2004/2005 von insgesamt 471 eingesetzten Spielern 392 wegen Verletzungen pausieren. Die Ausfallzeiten der Fußballer betrugen dabei im Schnitt
rund zwei Wochen. Insgesamt ergebe sich eine Ausfallzeit von 997 Tagen pro Verein.
Die Ausfallzeiten kamen die Vereine in der untersuchten Saison nach Angaben der Universität des Saarlandes teuer zu stehen. „Die genaue Höhe der Gehälter geben die Vereine natürlich nicht
bekannt, aber wenn drei Spieler über eine komplette Saison fehlen, kommen wir schnell in den Bereich mehrerer Millionen Euro“, erklärt der Sportwissenschaftler.
In drei Viertel der Fälle verletzten sich die Spieler an den Beinen, am häufigsten an den Oberschenkeln, den Knien und am Sprunggelenk. Die meisten Verletzungen traten im Training auf.
Einen Zusammenhang zwischen der Verletzungshäufigkeit und den Erfolgen der Vereine in der Saison 2004/2005 konnten die Saarbrücker Wissenschaftler aber nicht feststellen. Angesichts der Zahlen
empfehlen die Sportmediziner vorbeugende Maßnahmen wie gezieltes Krafttraining und Stabilisationsübungen. „Investitionen in solche Maßnahmen lohnen sich für die Klubs auch finanziell“, sagt
Meyer.
© hil/aerzteblatt.de
Quelle: http://www.aerzteblatt.de/nachrichten/37392/Verletzte_Fussball-Spieler_kosten_Bundesliga-Vereine_viel_Geld.htm