Wie gefährlich ist Cholesterin?

 

Kaum ein anderes Gesundheitsthema verunsichert Patienten mehr als Cholesterin. Von bösem und gutem Cholesterin ist die Rede, genauso wie von erhöhten Herzinfarkt- und Schlaganfallrisiken. Auch Medikamente, die den Blutfettwert senken, sind oft Gegenstand von Diskussionen. Patienten fragen sich: "Wann ist der Cholesterinspiegel zu hoch?" oder "Kann ich cholesterinsenkende Mittel einnehmen und dann bei fettigen Speisen nach Herzenslust zuschlagen?" Die Redaktion Lifestyle hat den Experten Professor Helmut Gohlke, Vorstandsmitglied der Deutschen Herzstiftung und Chefarzt am Herz-Zentrum Bad Krozingen, zum Thema Cholesterin befragt.

 

Nur LDL-Cholesterin ist gefährlich

Cholesterin ist ein lebenswichtiger Stoff, der unter anderem an der Bildung zahlreicher Hormone beteiligt ist. Er kommt ausschließlich in tierischen Fetten vor, wird aber auch im menschlichen Körper hergestellt. Im Blut ist Cholesterin an Eiweiße gebunden und kommt in zwei Varianten vor: das so genannte LDL-Cholesterin, das auch als "schlechtes" Cholesterin bezeichnet wird, und das "gute" HDL-Cholesterin. Steigt die Konzentration des schädlichen LDL-Cholesterins zu stark an, können sich Ablagerungen in den Gefäßen bilden. Diese führen im schlimmsten Fall zu Herzinfarkt oder Schlaganfall.

 

Werden vorschnell Cholesterin senkende Medikamente verschrieben?

Allgemeingültigen Wert gibt es nicht

Pauschal lässt sich die Frage nicht beantworten, welcher Blutfettwert als normal bezeichnet werden kann. Nach Angaben von Professor Gohlke unterscheiden sich drei Gruppen. Bei gesunden Menschen ohne weitere Risikofaktoren sind Gesamtcholesterin- werte bis 240mg/dl und LDL-Cholesterinwerte unter 160mg/dl akzeptabel. Gesunde Menschen mit weiteren Risikofaktoren sollten einen Cholesterinwert unter 200 haben und einen LDL-Wert von 130 nicht überschreiten. Solche Risikofaktoren sind Herz- und Gefäßerkrankungen bei Verwandten ersten Grades, Übergewicht, Bewegungsmangel, Rauchen oder Bluthochdruck. Für Personen, die bereits an einer Gefäßerkrankung leiden, gilt als Richtlinie ein Gesamtwert von unter 150 und einen LDL-Wert unter 70.

 

Voreilige Behandlung mit Medikamenten nicht sinnvoll

Ein hoher Cholesterinspiegel ist auf Dauer ungesund und stellt ein erhöhtes Gesundheitsrisiko dar. Aber erst bei Menschen, die bereits eine Gefäßerkrankung haben beziehungsweise zu der Gruppe mit erhöhtem Risiko gehören, ist eine medikamentöse Behandlung wirklich sinnvoll. Dazu Professor Gohlke: "Bei gesunden Menschen mit weiteren Risikofaktoren oder bei Personen, die nach einer Gefäßerkrankung vorbelastet sind, ist es möglich, durch die medikamentöse Behandlung das Herzinfarktrisiko um bis zu 30 Prozent zu senken." Es sei jedoch falsch zu glauben, dass man als gesunder Mensch diese Arzneien regelmäßig einnehmen kann und dann automatisch vor Gefäßerkrankungen geschützt sei. Die Medikamente hätten Nebenwirkungen, zudem seien regelmäßige Untersuchungen beim Arzt unbedingt notwendig, so der Experte weiter.

 

Cholesterinspiegel erfolgreich senken

Besonders die genetische Veranlagung sowie eine fettreiche Ernährung wird für hohe Cholesterinwerte verantwortlich gemacht. Die Umstellung auf eine fettarme Ernährung ist jedoch nur eine Maßnahme im Kampf gegen das Cholesterin. Mehr Bewegung, Verzicht auf Rauchen und eine kontinuierliche Reduzierung des Übergewichts verbunden mit Stressabbau können helfen, das Risiko einer Gefäßerkrankung zu senken. Besonders die Fettansammlung im Bauch begünstigt hohe Cholesterinwerte und die Entwicklung von Arteriosklerose. Erst, wenn alle vorbeugende Maßnahmen fehlschlagen und sich kein niedrigerer Wert erzielen lässt, sollte man in Absprache mit dem Arzt zum Medikament greifen.

 

Was ist Cholesterin?

Cholesterin ist eine fettähnliche lebenswichtige Substanz, die unter anderem als Baustein für die Zellwände und zur Bildung von Hormonen benötigt wird. Es kommt ausschließlich in tierischen Lebensmitteln vor, wird aber auch im menschlichen Körper in der Leber gebildet.

 

Ist Cholesterin generell schädlich?

Nein, Cholesterin ist lebenswichtig! Der Körper produziert seinen Bedarf an Cholesterin überwiegend selbst und kann auch ohne Zufuhr von außen auskommen. Normalerweise drosselt er die Eigenproduktion, wenn viel Cholesterin aufgenommen wird. Dieser Mechanismus ist bei manchen Menschen gestört, dann kann es zu schädlichen Ablagerungen in den Gefäßen kommen.

 

Was ist "gutes" bzw. "schlechtes" Cholesterin?

Cholesterin ist schlecht wasserlöslich und wird im Blut an Eiweiße gebunden, es bilden sich so genannte Lipoproteine. Diese liegen in zwei Formen vor: Das "schlechte" LDL-Cholesterin kann sich in den Gefäßen ablagern. Das "gute" HDL-Cholesterin kann Ablagerungen sogar teilweise wieder auflösen und transportiert das Cholesterin zur Leber zurück.

 

Was macht Cholesterin so gefährlich?

Ist zu viel LDL-Cholesterin im Blut, kann sich in den Gefäßwänden ablagern und die Arterien "verkalken". Die verengten Gefäße können verstopfen, es drohen Gefäßkrankheiten und im schlimmsten Fall der Herzinfarkt.

 

Worin steckt Cholesterin?

Cholesterin ist ausschließlich in tierischen Lebensmitteln enthalten. Besonders viel steckt in Innereien und Eiern. Allerdings wurde der Einfluss des Cholesterins im Essen auf den Cholesterinspiegel lange Zeit überschätzt. Eine größere Rolle spielt die Ernährung insgesamt, insbesondere die Menge und Art der aufgenommenen Fette.

 

Sinkt mein Cholesterinspiegel, wenn ich auf Cholesterin im Essen verzichte?

Nicht unbedingt! Der Einfluss des aufgenommenen Cholesterins auf den Spiegel im Blut ist begrenzt. Eine größere Rolle spielt die Art der aufgenommenen Fette sowie die Ballaststoffmenge.

 

Wer sollte seinen Cholesterinspiegel kontrollieren lassen?

Spätestens ab dem 35. Lebensjahr sollte dies jeder tun und zwar mindestens alle zwei Jahre. Die Kosten werden dann von den Krankenkassen übernommen. Wenn in der Familie Fettstoffwechselstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen vor dem 65. Lebensjahr vorkommen, sollte schon im Kindes- oder Jugendalter ein erster Test gemacht werden.

 

Was sagt der Gesamtcholesterinwert aus?

Der Gesamtcholesterinwert kann nur einen ersten Anhaltspunkt liefern. Liegt er über 200 Milligramm pro Deziliter, sollte eine genauere Untersuchung beim Arzt erfolgen. Dieser kann den LDL- und den HDL-Cholesterinspiegel bestimmen und weitere Empfehlungen zum Beispiel zur Ernährungsumstellung geben.

 

Was sind die Ursachen für erhöhte Werte?

Die Ursachen für erhöhte Cholesterinwerte sind eine fettreiche Ernährung, mangelnde Bewegung und die familiäre Veranlagung zu Fettstoffwechselstörungen. Etwa jeder 500. Deutsche hat einen genetisch bedingten erhöhten Cholesterinspiegel.

 

Wie kann der Cholesterinwert gesenkt werden?

Die Aufnahme tierischer Fette sollte eingeschränkt werden. Verwenden Sie stattdessen pflanzliche Fette mit vielen ungesättigten Fettsäuren. Auch eine hohe Ballaststoffzufuhr aus Vollkornprodukten, Gemüse und Hülsenfrüchten sowie regelmäßige Bewegung wirken sich günstig auf den Cholesterinspiegel aus. Wenn das nicht hilft, muss der Arzt möglicherweise Medikamente verordnen.

Quelle: lifestyle.t-online.de, aktualisiert am 17. April 2008